Stipendium für junge Berufstätige

Auf nach Amerika!

Ein Jahr lang in den USA leben, herumreisen, Land und Leute kennenlernen und hinter die Kulissen von Wirtschaft und Politik blicken: Für Claudia Fest und Sebastian Singer aus dem Landesbezirk Nordost ist dieser Traum in Erfüllung gegangen. Sie haben ein Stipendium für das Parlamentarische Patenschaft-Programm bekommen, ein Austauschprogramm für junge Berufstätige. Qualifiziert dafür haben sie sich auch durch ihr Engagement in der IG BCE.

Andrea Vollmer

Claudia Fest und Sebastian Singer Ein Traum geht in Erfüllung: Claudia Fest und Sebastian Singer haben sich durch ihr Engagement in der IG BCE für das  Parlamentarische Patenschaft-Programm qualifizier.
04.08.2015
  • Von: Kerstin Deppe
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In ein paar Tagen ist es soweit: Dann beginnt für Sebastian Singer das Abenteuer Amerika. Ein Jahr lang wird er in den USA leben und arbeiten. Er wird bei einer Gastfamilie wohnen, Kurse auf dem College besuchen und ein mehrmonatiges Praktikum in einem Unternehmen absolvieren. Wenn es gut läuft, kann er außerdem einem Abgeordneten bei der Arbeit über die Schulter gucken. „Das ist eine riesige Chance“, freut sich der 23-Jährige.

Und eine Auszeichnung: Sebastian ist einer von 75 jungen Berufstätigen, die am Parlamentarischen-Patenschafts-Programm, kurz PPP teilnehmen. Das Austauschprogramm zwischen Amerika und Deutschland richtet sich speziell an Nicht-Akademiker, die Stipendien werden vom Deutschen Bundestag vergeben. Der Andrang auf die Plätze ist groß. Bewerben können sich junge Handwerker, Techniker – und Industriekaufleute wie Sebastian.

Pluspunkte sammeln durch Engagement

Sebastian ist in Kasachstan geboren und in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen. 2012 zog er für seine Berufsausbildung nach Berlin. Sein Arbeitgeber: die BASF Services Europe GmbH. In dem Unternehmen kümmern sich rund 1.200 Mitarbeiter um Finanzen und Personal von zahlreichen BASF-Gesellschaften. Sein Einsatzbereich: das Finanzprojektmanagement. Sebastian wurde nach der Ausbildung übernommen; für das Jahr in den USA hat ihn der Arbeitgeber freigestellt.

Dass Sebastian eines der begehrten Stipendien bekommen hat, hat er auch seinem Engagement in der IG BCE zu verdanken. Er ist von Anfang an in der JAV aktiv, besucht Seminare, arbeitet in verschiedenen Gremien mit. Vor kurzem hat er seine Ausbildung zum Jugendteamer abgeschlossen.

Andrea Vollmer

Sebastian Singer Sebastian wurde nach der Ausbildung bei der BASF Services Europe GmbH übernommen; für das Jahr in den USA hat ihn der Arbeitgeber freigestellt.
„Bei der Auswahl der Teilnehmer kommt es nicht so sehr auf gute Noten an, sondern vor allem auf die Persönlichkeit“, sagt Sebastian. Und zeigt auch in seiner Freizeit vollen Einsatz: Er hält sich mit Street Workout fit, leitet dabei auch manchmal das Training an. „Wir sind eine bunt gemischte Truppe, bei uns machen Russen, Spanier und Afrikaner mit, viele Studenten sind dabei“, erzählt Sebastian. „Das besondere an dem Training ist, dass wir keine Geräte brauchen und nur das eigene Körpergewicht nutzen.“ Ursprünglich kommt der Trendsport aus den USA. Klar, dass Sebastian unbedingt zum berühmten Muscle Beach in Kalifornien will, wenn er in Amerika ist: „Einmal mit den Ikonen des Sports zu trainieren, das wär´s.“

„Das beste Jahr meines Lebens“

Von dem Austauschprogramm erfahren hat Sebastian durch Claudia Fest. Die 24-Jährige ist mit ihm im BJA Berlin-Mark Brandenburg und war 2012/2013 mit dem PPP in Amerika. Noch heute bekommt sie leuchtende Augen, wenn sie davon erzählt: „Das war ein unglaublich tolles, spannendes Jahr“, schwärmt sie. „Ich habe so viel erlebt und gelernt, so viele Freundschaften geschlossen und Kontakte geknüpft. Jeden Tag ist so viel passiert, dass ich angefangen habe, Tagebuch zu schreiben; das mache ich normalerweise nicht.“

Die gebürtige Brandenburgerin hat Industriekauffrau bei der E.DIS AG gelernt und ist wie Sebastian seit Beginn der Ausbildung in der IG BCE-Jugend aktiv. Mit der JAV hat sie unter anderem eine Übernahmeregelung für die Auszubildenden ausgehandelt. Inzwischen ist sie Mitglied im Bundesjugendausschuss – und Studentin: Nach ihrer Rückkehr aus den USA hat sie sich an der Uni Potsdam eingeschrieben, BWL mit dem Schwerpunkt Politik und Verwaltung. Gerade schreibt Claudia Klausuren, ihren Bachelor hat sie, wenn alles klappt, 2016. Der Gewerkschaftsarbeit ist sie nach wie vor treu: Aktuell stehen die Themen Nationalsozialismus und Kampf gegen Rechts ganz oben auf der Agenda. Anfang des Jahres hat sie mit der IG BCE Jugend eine Gedenkveranstaltung in Auschwitz besucht.

American Way of Life

Was hat sie am meisten fasziniert in Amerika? „Das war dieser Spirit, diese Offenheit und Freiheit, dieses Gefühl. dass alles möglich ist. Alles, was ich gemacht habe, hat funktioniert. Ich bin wie auf einer Welle geschwommen und dadurch selbständiger und selbstbewusster geworden.“ Ein Schlüsselerlebnis: Ihr Praktikum macht Claudia in der IT-Abteilung der Robert Bosch Tool Corporation in Chicago, einer Tochter des Stuttgarter Konzerns. Als ein Kollege kündigt darf sie das Projekt, an dem sie mitgearbeitet hat, eigenverantwortlich weiterführen – sie, die Praktikantin. Eine große Herausforderung und Bestätigung. Doch fern der Heimat lernt Claudia auch das deutsche Sozialsystem zu schätzen: „Gesetzlicher Urlaubsanspruch, Kündigungsschutz, sowas gibt es in den USA alles nicht“.

Andrea Vollmer

Claudia Fest hat ihr Jahr in den USA schon hinter sich. Claudia Fest hat ihr Jahr in den USA schon hinter sich. Noch heute bekommt sie leuchtende Augen, wenn sie davon erzählt: „Das war ein unglaublich tolles, spannendes Jahr“, schwärmt sie.

Aus Amerika hat Claudia nicht nur viele Erfahrungen mitgebracht: Sie hat dort ihren Freund kennengelernt. Er ist inzwischen auch in Deutschland, studiert in Heidelberg. Und Sebastian? Er will in seiner Auszeit so viel wie möglich reisen und Neues ausprobieren. Vielleicht mal handwerklich arbeiten statt immer nur am Schreibtisch sitzen. Vielleicht am College einen Anatomie-Kurs belegen oder einen in Nautik. Vielleicht auch was ganz anderes. Er ist für alles offen.

Das Parlamentarische Patenschafts-Programm (PPP) ist ein Austauschprogramm des Deutschen Bundestages und des Kongresses der USA. Es ermöglicht Schülern und jungen Berufstätigen, ein Jahr im jeweils anderen Land zu verbringen und den Alltag dort kennenzulernen. Interessierte können sich noch bis zum 11. September 2015 für das Jahr 2016/2017 bewerben. Weitere Infos: www.bundestag.de/ppp.

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