IG BCE aktuell 13-15

Gehetzt am Arbeitsplatz

Unter Druck und gehetzt, so fühlt sich jede und jeder zweite Beschäftige in Deutschland. Das ist das Ergebnis des DGB-Index Gute Arbeit 2015.

baona/iStockphoto

Der Stress am Arbeitsplatz steigt.
10.12.2015

Der Stress am Arbeitsplatz steigt. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DBG) hat 4.900 Beschäftigte zu ihren Arbeitsbedingungen befragt. Ein besonderer Fokus lag dabei auf der Arbeitsintensität. Das Ergebnis: 52 Prozent der Befragten gaben an, bei ihrer Arbeit sehr häufig oder oft hetzen zu müssen. Als Hauptursachen nannten sie zu viele Projekte gleichzeitig und zu wenig Personal. An dritter Stelle stehen ungeplante Zusatzaufgaben, die bewältigt werden müssen. „Aufgabenumfang und Arbeitszeit passen zu häufig nicht zusammen“, sagt DGB-Chef Reiner Hoffmann.

Hinzu kommt, dass die gehetzten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihre Pausen minimieren oder ganz darauf verzichten. Die Arbeit stört auch häufig das Privatleben: Mehr als die Hälfte der Gehetzten muss auch außerhalb der Dienstzeit erreichbar sein. Das sind insbesondere Beschäftigte im Erziehungs- und Unterrichtswesen sowie im Gesundheitssektor. Die Industriebranche ist dagegen kaum betroffen. Die pausenlose Arbeit hat Folgen: 60 Prozent können in ihrer Freizeit nicht abschalten und 57 Prozent sagen, ihre Freunde und Familie kommen zu kurz.

Mehr Arbeit, mehr Stress, mehr Sorgen

Immer mehr in immer kürzerer Zeit: Ein Grund für den ständigen Stress am Arbeitsplatz ist das Arbeitspensum. 48 Prozent derer, die ohne oder mit zu wenig Pausen arbeiten, sagten, dass sie in der gleichen Zeit immer mehr Arbeit erledigen müssen. Jede und jeder Zweite fürchtet deshalb, nicht gesund in Rente zu kommen. Davor warnen die Gewerkschaften seit Längerem. „Wer bei der Arbeit dauerhaft unter Stress steht, trägt ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychische Störungen“, sagt Hoffmann.

Der DGB befragt für den Index „Gute Arbeit“ jedes Jahr eine repräsentative Auswahl von Beschäftigten über ihre Arbeitsbedingungen. Im Vergleich zu 2014 hat sich nicht viel verändert. So wurde die durchschnittliche Arbeitsqualität mit 62 Punkten bewertet. Das ist ein Punkt mehr als 2014, aber immer noch ein Wert im unteren Mittelfeld. Das eigene Einkommen wurde um drei Punkte besser bewertet. Das kann an der Einführung des Mindestlohns und guten Tarifabschlüssen liegen.  

Gute Arbeit? Fehlanzeige

Auch 2015 kann der DGB keine Branche ausmachen, für die das Prädikat Gute Arbeit angemessen wäre. Am besten schneiden noch die Bereiche Finanzdienstleistungen und Versicherungen sowie die Chemie- und Metall-Branche ab. Besonders schlecht sind die Bedingungen im Gesundheit- und Sozialwesen und im Bereich Erziehung.

Die im November veröffentlichte Langzeitstudie der IG BCE und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) kommt zu ähnlichen Ergebnissen: Die Mitte der Arbeitnehmerschaft leide unter steigender Arbeitsbelastung und der Sorge, nicht gesund in Rente zu kommen. Der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis hat Politik und Arbeitgeber deshalb aufgefordert, in Gute Arbeit zu investieren.

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