IG BCE aktuell 10-2016

Gute Arbeit 4.0 geht nur gemeinsam

Die Arbeit der Zukunft ist flexibel, gut organisiert, vielfältig, selbst- und mitbestimmt – wenn man sie entsprechend gestaltet. Um das zu tun, arbeitet die IG BCE gemeinsam mit Arbeitgebern und Beschäftigten an Lösungen. Die Digitalisierung war daher großes Thema auf der Beiratssitzung der IG BCE im November - und steht außerdem im Fokus des DGB-Index Gute Arbeit 2016.

BWH / DGB-Index Gute Arbeit

IG BCE aktuell 10-2016 - Digitalisierung und eigene Erfahrung
16.11.2016

Digitalisierung birgt Herausforderungen. Flexibilität, ständige Erreichbarkeit und Automatisierungen von Prozessen lassen bei manchem Beschäftigten die Alarmglocken schrillen. „Da denkt man oft an Arbeitsverdichtung, Multitasking, Stress“, weiß Ralf Sikorski, Vorstandsmitglied der IG BCE. Einer solchen Entwicklung will die IG BCE von vornherein den Riegel vorschieben. „Der Wandel muss vernünftig und sozial gestaltet werden. Mit Schutzmechanismen für die Beschäftigten, mit dem Menschen im Mittelpunkt. Je mehr wir uns einbringen, desto besser können wir Einfluss nehmen.“ Denn: Dass die Digitalisierung kommt ist völlig klar. „Wie sie aussehen wird, das liegt an uns.“

Auf der Beiratssitzung der IG BCE im November präsentierte Ralf Sikorski ein umfangreiches Papier zur Arbeit 4.0, in dem er künstliche Intelligenz, Flexibilisierung, Globalisierung, Ökonomisierung und medizinischen Fortschritt als Trends der Digitalisierung identifizierte. All diese Themen hätten sowohl negative als auch positive Effekte. „Flexibilität beispielsweise darf nicht allein dem Ruf des Marktes hören und schwankendes Arbeitsvolumen ausgleichen“, so Sikorski. Vielmehr soll sie sich arbeitnehmerfreundlich auswirken – „als selbstbestimmte Flexibilität, die ausreichend Raum für Erholung, Familie und Freizeit gewährt“.

Durch die flexibleren Arbeitsbedingungen entwickeln sich in einigen Branchen neue Modelle von Arbeitszeiten und -orten. „Wir wollen ein neues Verständnis der Arbeitszeit. Eine tarifvertraglich gesicherte und gestaltete Arbeitszeit, die Rahmenbedingungen schafft für mehr persönliche Wahlfreiheit. Warum sollte es für Schichtarbeiter beispielsweise nicht auch Teilzeit geben?“, fragt Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE.


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IG BCE aktuell 10-2016 - Schaubild Digitalisierung und mobile Arbeit BWH / DGB-Index Gute Arbeit

Arbeitgeber dürfen die Beschäftigten nicht unter dem Zwang zur flexiblen Arbeit verschleißen lassen, sondern müssen eine Regenerationskultur etablieren. Insofern sei beispielsweise zu überlegen, ob die Einführung einer Zeiterfassung zum Schutz der Arbeitnehmer sinnvoll sei. Denn allein im vergangenen Jahr haben deutsche Beschäftigte Millionen unbezahlte Überstunden verrichtet, die gar nicht erfasst sind.


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IG BCE aktuell 10-2016 - Digitalisierung und Work-Life-Balance BWH / DGB-Index Gute Arbeit

Gemeinsam mit dem BAVC hat die IG BCE nun ein Pilotprojekt ins Leben gerufen, das die Bildung einer themenorientierten Plattform zum Austausch zwischen Technikverantwortlichen, Personalern und Betriebsräten vorsieht. So soll ein gemeinsames Verständnis digitaler Transformation und deren jeweiligen Folgen entwickelt werden.

Was Beschäftigte momentan über Arbeiten 4.0 denken, darüber gibt der DGB-Index Gute Arbeit 2016 mit dem Themenschwerpunkt „Die Digitalisierung der Arbeitswelt – Eine Zwischenbilanz aus der Sicht der Beschäftigten“ Auskunft. 60 Prozent der knapp 10.000 Befragten gaben an, bei der Arbeit im hohen Maß oder gar in sehr hohem Maß von mit Digitalisierung zu tun zu haben. In der Chemiebranche beispielsweise arbeitet jeder zweite übers Internet mit verschiedenen Personen zusammen an gemeinsamen Projekten. 46 Prozent gaben außerdem an, dass ihre Arbeitsbelastung durch die Digitalisierung eher größer geworden ist.


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IG BCE aktuell 10-2016 - Digitalisierung und Arbeitsbelastung

Doch 27 Prozent freuen sich zugleich über wachsende Entscheidungsspielräume (60 Prozent nahmen in dem Bereich keine Veränderung wahr) und 21 Prozent über eine verbesserte Work-Life-Balance (während sie bei 68 Prozent gleich geblieben ist). Eine deutliche Mehrheit der Beschäftigten sieht die eigene Arbeit überdies als wichtigen Beitrag für den Betrieb und die Gesellschaf an. 86 Prozent identifizieren sich mit ihren Aufgaben.


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IG BCE aktuell 10-2016 - Digitalisierung und Entscheidungsspielräume BWH / DGB-Index Gute Arbeit

Was nun zählt, ist die gute Gestaltung der neuen Arbeitswelt. „Die Linie der IG BCE ist weder apokalyptisch noch utopistisch“, fasst Ralf Sikorski zusammen. Die Gewerkschaft wolle „Innovationen erkennen und gestalten, Chancen nutzen.“ Ziel sei es, „mit gesetzlichen Regelungen, Tarifverträgen, Betriebsvereinbarungen, die Humanisierung vorantreiben.“ Deshalb befindet sich die IG BCE im Dialog mit Arbeitgebern und Wissenschaft, mit Politik und Beschäftigten.

Denn gute Arbeit4.0 geht nur gemeinsam.


Terminhinweis: 3. Forum Arbeitspolitik: „Arbeit 4.0 – Die Zukunft der Arbeit“ am 28. und 29. März 2017 im Tagungszentrum Bad Münder

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