IG BCE aktuell 06-15

IndustriALL Weltkonferenz Chemie: Mit globalen Netzwerken für Arbeitnehmerrechte

Die Stärkung der Solidarität unter den Mitgliedsorganisationen durch gewerkschaftliche Netzwerke war ein großes Thema der Weltkonferenz Chemie der IndustriALL Global Union im Mai in Hannover.

IG BCE

Chemie Exporte weltweit Die chemische Industrie steht vor großen Veränderungen: Zwar war die Europäische Union 2013 noch die führende Exportregion der Welt, gibt aber ihren ersten Rang als Produktionsplatz an China ab. 
11.05.2015
  • Von: Jörg Nierzwicki
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Die fortschreitende Globalisierung der chemischen Industrie fordert auch von den Gewerkschaften internationale Lösungen von der Bekämpfung prekärer Arbeitsverhältnisse bis hin zu grundlegenden Nachhaltigkeitsfragen. Mit Bezug auf die Industriestaaten alleine lassen sich die Probleme nicht mehr lösen. Die Europäische Union beispielsweise war 2013 noch die führende Exportregion der Welt, gibt aber ihren ersten Rang als Produktionsstandort an China ab. 12 der 30 wichtigsten Chemikalien produzierenden Schwellenländer liegen künftig im asiatischen Raum.

Die Weiterentwicklung der in einigen Regionen schon vorhandenen Netzwerke ist sei deshalb eine wichtige Zukunftsaufgabe, um Gewerkschaftsinteressen in den wachsenden globalen Konzernen besser vertreten zu können, sagte der IG-BCE-Vorsitzende und Präsident der IndustriALL European Trade Union Michael Vassiliadis bei der Begrüßung der rund 200 Teilnehmer. Am Tag zuvor hatten sich Gewerkschafter aus den weltweiten BASF-Standorten in Hannover getroffen.

Gewerkschaftliche Solidarität weltweit

Jyrki Raina, Generalsekretär der IndustriALL, unterstützte den Gedanken: „Die Konzerne agieren längst global, dagegen brauchen wir eine entsprechende Gewerkschaftssolidarität.“ 46 weltweite Rahmenabkommen für rund 10 Millionen Beschäftigte seien bislang zustande gekommen.

„Wir müssen keine Angst vor der Verlagerung von Arbeitsplätzen in boomende Schwellenländer haben, wenn wir eines beachten“, sagte Alfons de Potter (ACV-BIE) aus Belgien, „qualitativ hochwertige Arbeitsplätze sind überall ein Menschenrecht.“ Wenn beispielsweise in Folge des Nordamerikanische Freihandelsabkommens NAFTA viele Arbeitsplätze aus Kanada und den USA ins günstigere Mexiko verlagert würden, sei das kein Gewinn für die dortigen Arbeitnehmer, erläuterte Jyrki Raina. 60 Prozent seien „gelbe Arbeitsplätze“, der Deal: die Gewerkschaften stellen keine großen Fragen zu Tarifen und Arbeitsbedingungen.

Erfolgreicher Protest in Indonesien 

Dass man aus prekären Arbeitsverhältnissen mit einer gut organisierten gewerkschaftlichen Macht durchaus den Weg zu menschenwürdiger Arbeit gehen kann, zeige Indonesien, sagte Raina. Dort seien im Dezember 2014 eine Million Arbeiter auf die Straße gegangen. In vier Jahren sei so erreicht worden, den Mindestlohn auf 240 Dollar zu verdoppeln.

Folgerichtig stehen die  Erhöhung des Organisationsgrades, die Verbesserung des Rechts auf Kollektivverhandlungen und die Stärkung des sozialen Dialogs auf dem in Hannover beschlossenen Aktionsplan.

In den USA stünden Konzerne wie Solvay, DuPont und Dow stark unter dem Druck der Spekulanten der Wallstreet, berichtete Carol Landry (United Steelworkers). Sie konzentrierten sich der Rendite wegen nur noch auf wenige Produkte, arbeiteten nicht mehr zyklisch. Zudem investierten die Firmen kaum in Aus- und Weiterbildung, suchten den vermeintlich einfachen Weg, sich Fachkräfte von außen zu holen. Es fänden sich zudem wenige Frauen in der Produktion, so Landry.

  • IndustriALL Weltkonferenz Chemie
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    Jörg Nierzwicki

    Ob aus Japan...

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Die tatkräftige Vertretung der Beschäftigten bei den Institutionen der Weltordnungspolitik unter Beachtung der Handelsabkommen wie TTIP, TPP, SITA und deren Auswirkungen auf die chemische und pharmazeutische Industrie ist deshalb ein weiterer Punkt, den Einfluss internationaler Konzerne zu kontrollieren.

Sergio Luiz Leite (Brasilien, CNQ-CUT) und Takeru Muraoka (JEC Rengo, Japan) berichteten von einem anderen Problem, das es für die Branche zu lösen gilt. „Wir haben uns zu lange nur auf die Wasserkraft konzentriert“, sagte Leite zum Thema nachhaltige Industriepolitik. Jetzt schüre eine Dürre die Energiepreise, es gebe einen gewaltigen Nachholbedarf bei Investitionen in die Energiewirtschaft. Japan als Industrienation versuche zunächst, überhaupt die Energieversorgung nach der Reaktorkatastrophe zu sichern, Atomkraft spielt weiter eine Rolle, Geothermie sei ein neues Thema, erst dann könne sich die chemische Industrie um Produkte für mehr Energieeffizienz kümmern. Chemieprodukte aus Japan verloren auf dem Weltmarkt weiter an Bedeutung, ihr Anteil fiel von 9,4 auf 4,8 Prozent 2013.

Die Sicherung einer nachhaltigen Beschäftigung, wie sie die IndustriALL-Teilnehmer in ihren Aktionsplan aufnahmen, schließt eben nicht nur die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten ein, sondern auch die Grundlagen der Produktion, wie die Energieversorgung.

In Hannover wurden ebenfalls die neuen Co-Vorsitzenden für die Branchen der chemischen und pharmazeutischen Industrie innerhalb der internationalen Gewerkschaftsorganisation IndustriALL gewählt. Es sind von der IG BCE Iris Wolf und ihr brasilianischer Kollege Sergio Luiz Leite (Brasilien, CNQ-CUT).

Im kommenden Jahr treffen sich alle Sparten der IndustriALL Global Union zum Weltkongress in Brasilien. 

Das Branchenforum Chemie trifft sich am 1. und 2. Juli in Berlin, wo die Diskussion unter der Überschrift „Globalisierung nachhaltig in deutsch-chinesischen Chemieunternehmen gestalten“ weitergeführt wird.

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