IG BCE aktuell 02-15

Psychische Belastungen steigen

Noch nie haben so viele Menschen aufgrund von psychischen Belastungen bei der Arbeit gefehlt wie im letzten Jahr. Der Arbeitsschutz muss auf diese Entwicklung reagieren.

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Psychische Belastung - Depressionen
12.02.2015

Psychische Erkrankungen verursachen laut Krankenkassen in Deutschland bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern immer mehr Fehltage. Nach einer aktuellen Studie der DAK-Gesundheit entfielen im Jahr 2014 knapp 17 Prozent aller Ausfalltage auf psychische Leiden. Auf 100 DAK-Versicherte kamen im vergangenen Jahr 112 Krankheitstage wegen Depressionen. Damit rangieren diese Diagnosen erstmals auf Rang zwei der Fehltage-Statistik. Nur Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems wie Rückenschmerzen sind für mehr Ausfälle verantwortlich.

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Fehltage: Anstieg bei den psychischen Erkrankeungen am stärksten
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt der Depressionsatlas der Techniker Krankenkasse (TK). Demnach sind die Fehlzeiten aufgrund von Depressionen seit dem Jahr 2013 um fast 70 Prozent gestiegen. Betroffene fallen grundsätzlich sehr lange aus, im Durchschnitt 64 Tage. "Das heißt, es ist eine sehr langwierige Erkrankung für den Patienten, verbunden mit hohen Ausfallzeiten für die Betriebe", sagt Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK.


Arbeitsverdichtung bedeutet mehr Belastung – auch psychisch

Diese Entwicklung hat mehrere Ursachen: Auf der einen Seite gibt es ein höheres Bewusstsein für psychische Leiden bei Ärzten und Patienten. Auf der anderen Seite steht eine Veränderung der Arbeitswelt: Arbeitsverdichtung, häufige Überstunden, ständige Erreichbarkeit auch nach Feierabend. All das ist heute eher Regel als Ausnahme und führt zu einer Vermischung von Arbeits- und Privatleben, die sich negativ auf die Gesundheit auswirkt.

Eine Entwicklung, der beim Arbeitsschutz in den Betrieben noch zu wenig Rechung getragen wird. Grundsätzlich ist jeder Arbeitgeber durch das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet, regelmäßige Gefährdungsbeurteilungen im Betrieb durchzuführen. Das heißt er muss ermitteln, welche Gefahren für die Gesundheit der Beschäftigten im Betrieb existieren. Das Problem dabei: Nicht alle Arbeitgeber halten sich daran und die wenigsten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden im Rahmen einer solchen Gefährdungsbeurteilung auch nach psychischen Stressfaktoren befragt. Der Arbeitschutz konzentriert sich nach wie vor auf äußere Risikofaktoren.

Die IG BCE macht sich schon seit längerem dafür stark, dass auch psychisch wirksame Risikofaktoren in eine ganzheitliche Gefährdungsbeurteilung miteinbezogen werden. Das geht nur in enger Zusammenarbeit zwischen Betriebsräten und Arbeitgebern. Sie sollten gemeinsam eine Betriebsvereinbarung über die regelmäßige Durchführung einer ganzheitlichen Gefährdungsbeurteilung abschließen. Die IG BCE unterstützt die Betriebsräte dabei mit einer Musterbetriebsvereinbarung und verschiedenen Informationsmaterialien, die es ihnen ermöglichen, Frühsignale zu erkennen und die nötigen Handlungsschritte einzuleiten.

Weitere Informationen bei der IG BCE, Abteilung Arbeitspolitik (abt.arbeitspolitik@igbce.de) oder im Netz unter "Gute Arbeit"

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