Vor Ort Cordenka

Der Dreh mit dem Garn

Cordenka in Obernburg ist Spezialist für technisches Industriegarn. Aus der Spinnerei kommt der unbehandelte Faden in der Weiterverarbeitung an.

Andreas Reeg

Genci Papamihali wechselt Spulrollen, damit alle Rollen dieselbe Länge haben.
18.05.2018
  • Von: Isabel Niesmann

Tausende Walzen hängen in den Walzengattern. Mechanisch laufen die weißen Fäden auf die Spulen. Es ist laut in der Halle der Weiterverarbeitung bei Cordenka. Der unbehandelte Faden kommt hier aus der Spinnerei an. Er wird abgespult, gewaschen, gestreckt, getrocknet und wieder aufgespult. Heraus kommt nach mehreren Arbeitsschritten das fertige, aufgespulte Industriegarn. Das sogenannte Rayon findet vor allem in Reifen Verwendung. Das Garn verstärkt die Karkasse, das tragende Gerüst der Reifen, das aus Gewebeschichten besteht. Das Besondere bei Cordenka ist, dass das Garn aus Zellstoff hergestellt wird. »Garn aus Polyester ist günstiger, Cordenka-Garn ist aber bei höheren Temperaturen konstanter in seinen Eigenschaften «, so der Betriebsratsvorsitzende Michael Mück. Das ist bei Autoreifen wichtig, die hohen Temperaturen ausgesetzt sind.

680 Mitarbeiter sind bei Cordenka im fränkischen Obernburg für die Produktionsschritte vom Zellstoff bis zum Rayon verantwortlich. In Ballen kommt der Zellstoff an und wird mithilfe von Natronlauge und Schwefelkohlenstoff zur flüssigen Spinnlösung verarbeitet. Diese zähe, honigartige Masse, die Viskose, wird durch ein Pumpsystem in die Spinnerei befördert. Die zellulosehaltige, basische Viskose wird dort durch Düsen in säurehaltige Bäder gedrückt und so versponnen. Durch die chemische Reaktion wird die Zellulose wieder unlöslich. So entsteht der Rayon- Faden, der zu 100 Prozent aus Zellulose besteht und in nassem Zustand verstreckt und aufgespult wird.

»Cordenka ist in den ersten Schritten der Produktion Chemiebetrieb und in den späteren Textilbetrieb«, erklärt Mück. Vom Viskosebetrieb geht die Spinnlösung in die Spinnerei, von dort gelangt der Faden in die Weiterverarbeitung. Die Walzen werden mit dem darauf aufgewickelten Garn ins Gatter gesetzt und abgespult. »Die Fäden werden gewaschen, verstreckt und getrocknet «, sagt Mück. Das fertige Rayon wird aufgespult. In Spulen mit einem Gewicht zwischen vier und zehn Kilogramm ist es käuflich erhältlich. Je nach Kundenwunsch kann es auch noch weiter verarbeitet werden: »Gezwirnt, gewebt, imprägniert – wir können das Garn ganz variabel weiterverarbeiten«, so Mück.

Jürgen Schmitt, Anlagenfahrer und Maschinenführer, arbeitet seit 32 Jahren im Schichtbetrieb bei Cordenka. Sein Job ist es unter anderem, die leeren Walzengatter gleichmäßig mit den neu ankommenden Walzen zu bestücken. Zuerst sucht er dafür den Fadenanfang und verbindet die Fadenenden der aktuell laufenden Spule mit dem Anfang der neuen. »Das ist ein Endlossystem. Man sieht nicht, wo die alte Spule aufhört und wo die neue anfängt «, erklärt Schmitt.

Am Anderen Ende der Maschine wechselt Genci Papamihali die vollen Spulen. Ein Programm zeigt ihm an, wann und wo welche Spulen gewechselt werden müssen. »Das exakt einzuhalten ist extrem wichtig, denn nur so ist gewährleistet, dass die Spulen dieselbe Länge haben«, sagt er. Hat eine Spule die gewünschte Länge erreicht, räumt er sie ab und hängt sie auf den Spulenwagen. Seit 26 Jahren ist Papamihali Maschinenführer. »Die Zeit vergeht bei der Arbeit schnell.« Wenn eine Maschine nicht läuft, etwas modernisiert oder erneuert werden muss, ist Konstantin Schönig gefragt. Der Elektriker ist in der Störungsbeseitigung tätig. »Das war schon als Kind mein Traumberuf«, erinnert sich der ehemalige Jugend- und Auszubildendenvertreter, der vor zwei Jahren seine Ausbildung beendete und im Anschluss daran bei Cordenka blieb.

Seit 20 Jahren ist Mück im Betriebsrat, seit acht Jahren Vorsitzender: »Uns haben im Betrieb während der vergangenen Jahre vor allem Modernisierung und Automatisierung beschäftigt.« Cordenka hat viel in neue Technologien investiert. »Die Mitarbeiter müssen eine zweifache Herausforderung bewältigen: Auf der einen Seite üben sie feinmotorische Aufgaben aus und auf der anderen Seite schwere körperliche Arbeit«, hebt er hervor. In der Produktion wurde vieles umgestellt. Ein Programm weist Mitarbeiter an, wann sie an welche Maschine wechseln müssen und koordiniert so die Auslastung. »Wir haben eine interessante Betriebsvereinbarung zu den Grundsätzen der Berufsausbildung abgeschlossen, haben fixe Ansprechpartner für Azubis und einen Ausbildungsbeauftragen in jedem Bereich etabliert. Der ist dafür zuständig, dass Ausbildungsinhalte auch wirklich beigebracht werden «, sagt Mück. Wenn das nicht der Fall ist, bietet Cordenka auch Hilfestellungen an, bis hin zu externen Schulungen.

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