Einer von uns

Liegend auf den Großglockner

Heinrich Hegel möchte in diesem Jahr Deutschland ein zweites Mal auf dem Liegefahrrad umrunden.

Christian Burkert

"Wer auf dem Gartenstuhl sitzen kann, kann auch Liegefahrrad fahren", sagt Heinrich Hegel.
02.05.2018
  • Von: Isabel Niesmann
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"Wenn ich Rentner bin, mache ich irgendetwas Verrücktes", hatte sich Heinrich Hegel geschworen. So kam es auch: Vergangenes Jahr ging er nach 26 Jahren als Arbeiter bei dem Papierhersteller Sappi im niedersächsischen Alfeld in Rente. Einige Wochen später umrundete er auf seinem Liegefahrrad ganz Deutschland. Und das, obwohl Hegel 30 Jahre gar kein Fahrrad gefahren ist, wegen abgenutzter Halswirbel. Auf dem Liegefahrrad aber geht es bestens.

"Man sitzt entspannt. Wer acht Stunden auf dem Gartenstuhl sitzt, kann auch acht Stunden Liegefahrrad fahren, Panoramablick inklusive", schwärmt Hegel. Als er mit seiner Familie einen Ausflug zum Steinhuder Meer in der Nähe von Hannover machen wollte und im Auto ein Platz zu wenig war, sei er die lange Strecke einfach mit dem Fahrrad gefahren. Seitdem steigt er ständig aufs Rad. Insgesamt 29 000 Kilometer legte er innerhalb der vergangenen vier Jahre zurück – entlang der Mosel, durch den Spreewald oder mitten durch Stuttgart.

Von der Deutschlandumrundung las Hegel im Internet. "Die Idee war sofort tief in meinem Kopf, die ging nicht mehr raus." Tagelang schraubte er an seinem Fahrrad und arbeitete die Strecke aus, bis es im Mai 2017 endlich losging: 4500 Kilometer und 20 500 Höhenmeter innerhalb von 25 Tagen, also durchschnittlich 180 Kilometer legte er täglich zurück. In diesem Mai hat er sich ein noch ambitionierteres Ziel gesetzt. Hegel träumt davon, auf seiner zweiten Deutschland-Tour den Großglockner zu bezwingen. Dafür trainiert er regelmäßig.

"Die Auffahrt ist 20 Kilometer lang und hat durchgehend zehn bis zwölf Prozent Steigung." Insgesamt liegen 5700 Kilometer und 43 000 Höhenmeter vor ihm. Trotz gesundheitlicher Probleme kann er es kaum erwarten: "Die Sucht nach dem Fahrradfahren ist stärker als der Arzt", so der 65-Jährige. Hegel fällt auf mit seinem E-Bike: Die bunte Fahne flattert im Wind, das Rad hat ein Dach, ist mit gelb-schwarzer Folie beklebt und im silbernen Anhänger sind Akkus und Gepäck verstaut. Auf seinen Reisen lernt er viele Leute kennen. "Es ist ein Erlebnis, das mir keiner nehmen kann, Land und Leute kennenlernen zu dürfen. Im letzten Jahr habe ich schon mehr von Deutschland gesehen als in allen Jahren davor."

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