Migrationspolitik

Menschen eine Chance geben

Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren, ohne Sozialstandards zu gefährden und Perspektiven für junge Migranten als Azubis: das fordert die IG BCE.

30.09.2015
  • Von: Wolfgang Lenders

Es sind bewegende Bilder, die durch die Medien gehen: Züge voller Menschen kommen in Deutschland an. Sie werden freudig empfangen, mit Transparenten und kleinen Begrüßungsgeschenken. Die Menschen, die in Deutschland Zuflucht suchen, fliehen vor Krieg und Verfolgung in ihren Heimatländern. Männer, Frauen und Kinder riskieren ihr Leben in dem verzweifelten Versuch, nach Europa und in Sicherheit zu gelangen. Bis zu einer Million Flüchtlinge sollen amtlichen Schätzungen zufolge in diesem Jahr Deutschland erreichen – und brauchen Hilfe beim Start in ein neues Leben. Bundeskanzlerin Angela Merkel demonstriert angesichts der ungewöhnlichen Herausforderung Entschlossenheit »Ich sage wieder und wieder: Wir können das schaffen, und wir schaffen das.«

Der Wille, etwas für die Flüchtlinge zu tun, ist groß – auch in der IG BCE. »In unserer Gewerkschaft sind Menschen aus 99 Nationen Mitglied. Bei uns gibt es keinen Platz für Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Diejenigen, die jetzt nach Deutschland kommen und bleiben, wenn sie es denn wollen und können, dürfen sich auf unsere Unterstützung verlassen«, sagt Michael Vassiliadis, die Projekte, die zurzeit laufen, sind eine erste Hilfe. Langfristig geht es aber darum, die Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Die IG BCE hat sich daher mit den Arbeitgebervertretern der Branchen Chemie, Papier, Glas, Solar, Keramik, Kautschuk sowie der Energieversorgung und der Steinkohle auf eine Zusammenarbeit verständigt. Die Arbeitgeber werden gemeinsam mit der Gewerkschaft Angebote machen, die auf die Integration von Flüchtlingen mit geklärtem Bleiberecht und Arbeitserlaubnis gerichtet sind.

In dem Programm »Start in den Beruf « etwa hat die IG BCE gemeinsam mit den Chemie-Arbeitgebern 125 zusätzliche Plätze für Flüchtlinge geschaffen. Im Rahmen dieses bewährten Eingliederungsprogrammes der chemischen Industrie sollen junge Flüchtlinge darauf vorbereitet werden, eine Ausbildung in der Chemie oder anderen Branchen beginnen zu können. Neben der Vermittlung allgemeiner Grundlagen steht vor allem die Vermittlung der notwendigen Sprachkenntnisse im Vordergrund.

Ein wichtiges Anliegen: Flüchtlinge dürfen nicht als billige Arbeitskräfte missbraucht werden. Sorge bereitet der IG BCE unter anderem, dass Flüchtlinge verstärkt als Leiharbeiter eingesetzt werden könnten – zu schlechteren Konditionen als üblich. »Das könnte als Signal missverstanden werden, verstärkt gute, geordnete Arbeitsplätze durch Leiharbeit zu ersetzen«, warnt Michael Vassiliadis. »Die IG BCE ist nicht grundsätzlich ge- gen Leiharbeit, aber sie darf nicht dazu dienen, bestehende Tarifverträge und gute Standards zu unterlaufen.« Diesem Grundsatz haben auch die Sozialpartner aus den IG-BCE-Branchen zugestimmt.

Anständig bezahlte Jobs und eine faire Chance: die brauchen die Menschen, die jetzt nach Deutschland kommen. Durch sie wird sich Deutschland verändern. Wenn alles gut läuft, zum Besseren. Jetzt ist es an der Zeit, dafür die richtigen Entscheidungen zu treffen. Vorsitzender der IG BCE. Die IG BCE will insbesondere den schwächsten Opfern von Krieg und Verfolgung helfen und ruft ihre Mitgliedschaft zu Spenden für die Flüchtlingskinder auf.

Mit dem Geld werden Projekte des Kinderhilfswerk terre des hommes unterstützt. Die Spendenaktion startete Ende September. Mit großer Resonanz: Bereits 125 000 Euro kamen nach kurzer Zeit zusammen. Unabhängig davon organisieren an verschiedenen Orten in Deutschland IG-BCE-Mitglieder Hilfe. Die IG-BCE-Jugend im Bezirk Cottbus etwa unterstützt bereits seit Längerem ein Asylbewerberheim. Der Bezirksfrauenausschuss Leipzig sammelte Haushaltsgegenstände und Kleidung für ein Flüchtlingsheim. Und Mitglieder des Regionalforums Dortmund haben innerhalb weniger Tage für 50 Flüchtlinge einen Zoobesuch organisiert. »Wir wollen Solidarität zeigen mit den Flüchtlingen und Asylbewerbern in Dortmund«, sagt Manfred Görsch. Die Aktion soll der Auftakt zu einem intensiveren Kontakt sein. »Wir wollen die Menschen weiter unterstützen, Patenschaften übernehmen«, sagt Görsch. Vorstellen könne er sich auch, zum Beispiel Praktikumsplätze und Ausbildungsstellen zu vermitteln; schließlich sei das Regionalforum mit 6000 Mitgliedern im Ruhrgebiet gut vernetzt. So wie viele andere an der Basis, die derzeit Hilfsaktionen organisieren. Um diese zu unterstützen, stellt die IG BCE nun 125 000 Euro bereit.

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