Mein Arbeitsplatz

Handarbeit ohne Unruhe

"Erst nach dem zweiten Brand wird das Porzellan zum Porzellan", erklärt Timm Langhoff. Der 28-jährige ist Industriekeramiker bei der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM) in Berlin.

Jesco Denzel

Handarbeit und höchste Qualität: Timm Langhoff gibt dem Porzellan bei KPM seine Form.
22.06.2017
  • Von: Désirée Binder

"Das Wichtigste ist, dass ich keine Unruhe in der Masse habe. Das bedeutet, dass keinerlei Falten oder Löcher mehr in dem Stück sein dürfen. Man kann zwar auch mit Un­ruhe formen, aber das ergibt dann am Ende schlechtes Porzellan mit Falten und Fehlern – und das ist nicht unser Qualitätsanspruch.

Mittlerweile bin ich seit 12 Jahren bei der Königlichen Porzellan Manufaktur Industriekeramiker in Verfahrenstechnik. Sogar meine Ausbildung habe ich hier gemacht. Die  Arbeit macht mir Spaß und sie ist  abwechslungsreich, denn wir stellen immer wieder neue unterschiedliche Porzellan-­Stücke her.

Im Moment arbeite ich an einem Mörser. Die Masse dazu wird bei uns direkt in der Fabrik hergestellt. Die genaue Zusammensetzung ist dabei natürlich ein Betriebsgeheimnis. In zylinderförmigen Strängen kommt sie dann bei mir an, ich portioniere sie, lege sie auf die Handdrehscheibe und zentriere sie. Mit viel Wasser arbeite ich die Un­ruhe raus, bis alles gleichmäßig ist. Dabei ziehe ich die Masse immer wieder in die Länge und forme sie am Ende zu einer Kugel. Damit das Stück später in die Schablone passt, mache ich daraus eine Art Becher. Mit zwei Spachteln streife ich vorsichtig das überschüssige Wasser ab.

Mit diesem Stück gehe ich anschließend an die Drehscheibe neben mir und gebe sie dort langsam nach und nach auf die Gipsform, sodass die Luft entweichen kann. Die Schablone kommt über die Gipsform und mit Wasser wird die überflüssige Masse links und rechts abgetragen. Um die Masse oben richtig anzupassen, muss ich nochmal mit dem Messer ran. Anschließend verwasche ich die Kanten mit einem Schwamm und einem Pferdehaarpinsel. Die sind sonst sehr scharf.

In diesem Zustand ruht das Stück für drei bis vier Stunden, bis es ­einen lederharten Zustand hat. Das ist schon sehr fest, aber noch weich genug zum Nacharbeiten. Denn je nach Falte sieht man erst am Ende des Tages, ob das Stück etwas geworden ist. Zum Schluss wird das ganze zweimal gebrannt, denn erst dann wird das Porzellan zum Porzellan."

Nach oben