JAV-Wahlen 2014

„Wir kämpfen für jede einzelne Übernahme“

Anfang November wählen rund 2.750 bei der BASF SE beschäftigte Auszubildende unter 25 Jahren und junge Beschäftigte unter 18 Jahren die neue Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) des Chemiekonzerns. Etwa 35 Bewerber stellen sich zur Wahl. Stephanie Bayer (20), ausgelernte Chemikantin und Cesina Staudt (21), Azubi zur Industriemechanikerin, sind zwei von ihnen. Wir wollten von den beiden wissen, was sie antreibt und wofür sie sich – falls sie wieder gewählt werden – in ihrem Amt einsetzen wollen.

Andreas Reeg

Stephanie Bayer, ausgelernte Chemikantin (rechts)  und Cesina Staudt (21), Azubi zur Industriemechanikerin. Kämpfen für die Rechte von Azubis: Stephanie Bayer, ausgelernte Chemikantin (rechts)  und Cesina Staudt (21), Azubi zur Industriemechanikerin.
17.09.2014
  • Von: Axel Stefan Sonntag

Was bewegt Euch, wieder als JAVie zu kandidieren?
Cesina: Ich will, dass jeder Azubi eine echte und faire Chance auf eine Übernahme nach dem Ende seiner Ausbildung erhält.

Stephie: Ich will bei der Übernahme, aber auch bei der Ausbildungsgestaltung selbst mitreden und sie im Sinne der jungen Menschen weiterhin positiv beeinflussen können. Auch Dinge verbessern, die in meiner eigenen Ausbildung noch nicht ganz so optimal verlaufen sind.

An was denkst Du?
Stephie: Zwei Beispiele: Azubis sollten normalerweise jeweils einen kontinuierlichen (hier entsteht am Ende der Produktionskette in der Anlage ein fertiges Produkt) und einen diskontinuierlichen (hier wird kontinuierlich in der gleichen Anlage weiterproduziert) Betrieb sowie den Laborbereich durchlaufen. Das haut aber leider so nicht immer hin – deshalb will ich mich dafür einsetzen, dass sich insgesamt mehr Betriebe auf unserem Werksgelände für den Nachwuchs öffnen. Und: Ich fände es gut, wenn beispielsweise auch angehende Chemikanten eine Chance bekommen, einmal ein Labor von innen zu sehen.

Cesina: Wir haben bereits ein Projekt erfolgreich abgeschlossen: Unsere Betreuer vor Ort (BVO), die direkt an den Arbeitsplätzen in den Betrieben für die Azubis zuständig sind, zu schulen. Hier werden sie zum Beispiel darauf sensibilisiert, die Azubis im Rahmen der Beurteilungen tatsächlich anders einzustufen als die ausgelernten Mitarbeiter. Nun sollen diese BVOs aber auch noch genügend Freiräume bekommen, um sich mehr als bisher um ihre Lehrlinge kümmern zu können.

Stephie: Oder dafür zu sorgen, dass – wenn der BVO zum Beispiel nicht dieselbe Schicht wie der Azubi arbeitet – zumindest eine Art Schicht-Pate für den Azubi anwesend ist. Es ist wichtig, nicht alleine zu sein, wenn man Fragen hat.

Andreas Reeg

Cesina Staudt: "Ich will, dass jeder Azubi eine echte und faire Chance auf eine Übernahme erhält." Cesina Staudt: "Ich will, dass jeder Azubi eine echte und faire Chance auf eine Übernahme nach dem Ende seiner Ausbildung erhält."
Cesina, Du willst die Übernahme-Situation noch weiter verbessern. Geht das so einfach?
Cesina: Bisher ist es bereits so, dass wenn unsere Personalabteilung die Übernahme eines Azubis nicht empfiehlt, wir als JAV uns dafür einsetzen können, das nicht einfach so hinzunehmen. Deshalb führen wir persönliche Gespräche mit Azubi und Personalabteilung und wollen wissen, was die Gründe dafür sind, dass der junge Mensch keine Chance erhalten soll. Denn wenn jemand zum Beispiel nur in der Schule nicht so der Held ist, ist das allein für mich noch kein Grund, ihn abzulehnen. In diesen Ausnahmefällen dann zumindest noch einen befristeten Vertrag zu erhalten, ist doch wirklich das Mindeste. Dann hat jeder die faire Chance zu zeigen, was er praktisch kann.

Wie reagieren die Azubis auf das, was ihr für sie erreichen könnt?
Cesina: Bei manch einem funkeln so richtig die Augen, wenn wir als JAV das Blatt für ihn wenden konnten – und das gelingt uns oft. Dieses „Funkeln in den Augen“ zusammen mit einem echten „Dankeschön“ ist für mich das Schönste. Das spornt dann an weiter zu machen, weil man weiß, dass das eigene Engagement sinnvoll ist.

Jeder Mensch ist anders, jeder gibt sich anders. Sind manche, die zu Euch kommen, nicht ziemlich verschlossen?
Cesina: Wir haben eine generelle Schweigepflicht. Und wir sprechen dieselbe Sprache. Beides hilft ungemein. Die jungen Leute wissen, dass wir sie ernst nehmen – und ihre Probleme kennen. Und wenn es wirklich mal ein schwerer Fall ist, es sich vielleicht sogar um psychische Probleme handelt – welcher Art auch immer –, vermitteln wir zu einem internen Sozialberater, der speziell für Azubis da ist. Natürlich ebenfalls mit Schweigepflicht, übrigens auch uns gegenüber.

Andreas Reeg

"Als ich damals auf die Kandidatur angesprochen wurde, war ich erst einmal total überrascht", erzählt Stephie Bayer. "Als ich damals auf die Kandidatur angesprochen wurde, war ich erst einmal total überrascht", erzählt Stephie Bayer.
Stephie, Du bist seit zwei Jahren im Amt, Cesina Du im vergangenen Jahr nachgerückt. Wie sind bislang Eure Erfahrungen als JAVies?
Stephie: Als ich damals auf die Kandidatur angesprochen wurde, war ich erst einmal total überrascht. Warum ich? Andererseits dachte ich mir: „Hey, warum eigentlich nicht?“. Also habe ich mich doch zur Wahl aufstellen lassen. Und es hat geklappt! Anfangs war es schon schwierig – ich musste Gesetze und Betriebsvereinbarungen pauken. Aber da helfen dann natürlich die Schulungen der IG BCE, die kennen sich damit aus – und sagen uns, was von all dem wichtig zu wissen ist.

Cesina: Ich war schon rund ein Jahr lang als Jugendvertrauensperson aktiv. Insofern war die Thematik JAV für mich nicht mehr ganz so neu wie für Stephie. Aber die Vorstellung, tatsächlich JAVie zu sein – und damit vor 2.500 jungen Leuten sprechen zu müssen… Damals war das Horror für mich. Als ich dann nachrückte, war ich auch noch für den Laborbereich zuständig. Ich, als angehende Industriemechanikerin! Ich wusste gerade einmal, was eine Pipette ist… Aber das hat meinen Ehrgeiz umso mehr geweckt. Ich habe gelernt, welche Inhalte und Einsatzplätze beispielsweise Chemie-, Physik- und Biologie-Laboranten in ihrer Ausbildung durchlaufen – und welche Themen sie dabei beschäftigen. Und vor allem warum es sich lohnt, Rhetorik-Seminare zu besuchen…

Was bringt Euch – neben den genannten Seminaren – die IG-BCE-Mitgliedschaft?
Cesina: Kommunikation, Austausch, voneinander lernen. Wir sind prima vernetzt, lernen Leute aus anderen Landesbezirken kennen und wie die an bestimmte Themen rangehen. Insofern bringt mir das Amt als Vorsitzende des Landesbezirksjugendausschusses echt was.

Stephie: Und umgekehrt erkundigt sich manch einer, wie wir zum Beispiel das Thema Übernahme in unserer Betriebsvereinbarung gestaltet haben – um es dann in ihren eigenen Betrieben zu regeln.

Eure Wahl ist am 7. und 10. November. Führt Ihr Wahlkampf?
Cesina: Auf der Jugend- und Auszubildendenversammlung stellt sich jeder unserer JAV-Kandidaten vor. Das ist natürlich schon so eine Art „Wahlkampf-Rede“…

Stephie: Aber das war’s dann eigentlich auch schon… Wir sind ja keine Politiker!

Euer Amt endet spätestens mit dem 25. Geburtstag. Und dann? Ein Amt als Betriebsrätin?
Stephie: Jetzt bin ich erst mal JAVie. Das ist interessant, so wie es ist. Wenn das so bleibt, kann ich mir vorstellen, als Vertrauensfrau zu kandidieren.

Cesina: …bei den Erwachsenen läuft sicher manches auch anders als bei der Jugend (lacht).

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