Internationale Gewerkschaftsarbeit

Gewerkschaften unter Druck

Für die Regierung ist es ein Erfolg – für Igor Kareld Diaz Lopez eine Katastrophe: Statt 30 Gewerkschaftsmitgliedern starben in Kolumbien im Vergleichszeitraum zum Vorjahr „nur“ noch 22 durch Gewaltverbrechen. Der Vorsitzende der kolumbianischen Bergbaugewerkschaft Sintracarbon ließ keinen Zweifel daran, dass die Menschenrechtslage in dem immer noch von Paramilitärs und Drogenkartellen bedrohten Land lange nicht zufriedenstellend ist.

Christian Burkert

Igor Kareld Diaz Lopez, Vorsitzender der kolumbianischen Bergbaugewerkschaft Sintracarbon Igor Kareld Diaz Lopez: "Es werden noch immer Hunderte Gewerkschafter mit dem Tode bedroht und von der Drohung bis zum Tod ist es nur ein kleiner Schritt."
14.10.2013
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Bei einem Organisationsgrad von nur 4,2 Prozent seien die Einflussmöglichkeiten der Gewerkschaften nach wie vor begrenzt, berichtete Lopez. Vor kurzem habe die Regierung gerade wieder einen Streik einfach per Dekret aufgelöst. „Wenn langsam kleine Schritte hin zu einer Verbesserung der Lage der Arbeiter möglich sind, ist dies vor allem deshalb möglich, weil sich die internationale Aufmerksamkeit auf uns richtet“, sagte der Kolumbianer gerade mit Blick auf die Arbeit der industriAll Global Union, des internationalen Gewerkschaftsverbands der Industriearbeiter.

Dessen Generalsekretär Jyrki Raina benutzte in seinem Redebeitrag drastische Zahlen, um zu verdeutlichen, dass es neben den Problemen der Wirtschaftskrise in Europa noch weit grundlegendere Probleme zu lösen gilt: „80 Prozent der Weltbevölkerung haben keine Sozialversicherung, keine Krankenversicherung, keine Rente. Wer krank wird, stirbt einfach.“ Eine andere Welt sei jedoch möglich: „Genau dafür arbeiten die Gewerkschaften, gemeinsam, länderübergreifend, weltweit.“ Hierbei müsse die IG BCE eine starke Rolle spielen.

Christian Burkert

Jyrki Raina, Generalsekretär industriALL Global Union Jyrki Raina: "80 Prozent der Weltbevölkerung haben keine Sozialversicherung, keine Krankenversicherung, keine Rente."

Der industriAll-Chef lobte vor diesem Hintergrund die jetzt schon vorhandenen Unterstützungskapazitäten der Gewerkschaft: „Dank der IG BCE gibt es ein gut funktionierendes BASF-Netzwerk in Lateinamerika, das wie ein europäischer Betriebsrat arbeitet. Zudem gibt es ein asiatisch-pazifisches Netzwerk.“ Dank der Kraft und des Einsatzes der IG BCE habe die industriAll ebenso einen globalen sozialen Dialog mit der internationalen Chemiearbeitgeberorganisation LRC einleiten können.

Wo sich Igor Kareld Diaz Lopez und seine Mitstreiter in Kolumbien einer gewissen Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit sicher sein können, kämpft Angeline Chitambo im afrikanischen Simbabwe einen verzweifelten Kampf gegen Folter, Hass und tägliche Bedrohung durch den greisen Diktator Mugabe und seine Schergen. Gerade habe sich der staatliche Energiekonzern Zesa wieder einmal geweigert, einen schon ausgehandelten Tarifvertrag ihrer Gewerkschaft ZEWU anzunehmen. Dies sei als direkter Angriff auf die Energiearbeiter-Gewerkschaft zu werten. „Eure Unterstützung ist es, die es ermöglicht, unseren Kampf weiterzuführen“, sagte Chitambo in Hannover.

Christian Burkert

Angeline Chitambo, Vorsitzende der Zimbabwe Energy Workers Union Angeline Chitambo: "Wenn eine Frau ausgebildet wird, wird eine ganze Nation ausgebildet."

Das während des 4. Frauentags der IG BCE 2012 gestartete Projekt „Bildung für Frauen in Simbabwe“ ermögliche es, verlässliche Partnerinnen in der Gesellschaft und Wirtschaft des Landes zu fördern. Sie seien diejenigen, die sich in ihren Familien um die Gesundheit und das Wohlergehen kümmerten. Deshalb endet dieses Projekt auch nicht bei Tarifverträgen, sondern hilft auch bei der Enttabuisierung von Aids-Infektionen. „Wir können nun sogar über diese Plattform Medikamente bekommen, die sonst nur über Bestechung an Amtsträger und einflussreiche Personen gelangen würden“, sagte die Vorsitzende der ZEWU.

Christian Burkert

Scheckübergabe Die Aktivisten aus Kolumbien und Simbabwe freuen sich über die finanzielle Unterstützung ihrer Arbeit.

Um die beiden Gewerkschafter zu unterstützen, übergaben Marianne Malkowski und Michael Vassiliadis von der IG BCE jeweils einen Scheck über 10.000 respektive 19.600 Euro an die Aktivisten aus Südamerika und Afrika.

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