Arbeitsbedingungen in Bangladesch

Modeproduzenten verpflichten sich zu mehr Sicherheit für Textilarbeiter

Drei Wochen nach dem Einsturz eines Fabrikgebäudes in Bangladesch verpflichten sich deutsche und internationale Unternehmen durch ein Abkommen mit dem internationalen Gewerkschaftsverband IndustriAll Global Union zu mehr Sicherheit in der Modeproduktion. Die Vereinbarung soll Millionen Textilarbeitern in Bangladesch ungefährliches Arbeiten ermöglichen, indem Brandschutz und Gebäudesicherheit deutlich verbessert werden.

Jeff Holt/Getty Images

Sollen künftig bessere Arbeitbedingungen bekommen: Näherinnen in einer Textilfabrik in Bangladesch. Sollen künftig bessere Arbeitbedingungen bekommen: Näherinnen in einer Textilfabrik in Bangladesch.
16.05.2013
  • Von: Sarah Heidel/ dpa

"Ziel ist die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und des Lebens der am meisten ausgebeuteten Arbeitskräfte der Welt, die unter gefährlichen Verhältnissen 38 Dollar im Monat verdienen", sagte Jyrki Raina, Generalsekretär von IndustriALL Global Union.

Das Abkommen ist eine verbindliche Vereinbarung zwischen den westlichen Großabnehmern und den internationalen Gewerkschaften. Insgesamt sind in das Abkommen mehr als 1000 Zulieferbetriebe und Zwischenhändler und damit ein großer Teil der rund vier Millionen Textilarbeiter in Bangladesch eingebunden. Bis Mitternacht in der Nacht zu Donnerstag konnten sich Unternehmen der Vereinbarung anschließen.

Unterzeichnet haben den Vertrag bisher unter anderen die Ketten H&M, C&A, Inditex, zu denen unter anderem Zara und Mango gehören, Esprit, Benetton, Primark, Kik, Rewe, Lidl sowie Aldi Nord und Süd.

Die Unternehmen verpflichten sich mit dem Abkommen, künftig nur in Fabriken produzieren lassen, in denen die Arbeitsbedingungen internationalen Standards entsprechen. Sie garantieren zudem, dass unabhängige Fachleute für Gebäudesicherheit die Fabriken regelmäßig überprüfen. Die Kosten für die externen Sicherheitsingenieure und der Schulungsexperten tragen die unterzeichnenden Firmen des Abkommen durch jährliche Beitragszahlungen.

Jeder Beschäftigte soll künftig die Arbeit niederlegen können, wenn er gravierende Sicherheitsmängel oder Gesundheitsrisiken entdecke. Außerdem sollen Trainingsprogramme Sicherheitspersonal, Arbeiter und Manager für den Ernstfall schulen und mehr Bewusstsein für die erforderlichen Schutzmaßnahmen vermitteln.

Die Unterzeichner haben nun zusammen mit Nichtregierungsorganisationen und den Gewerkschaften die Aufgabe, innerhalb von 45 Tagen einen Plan zur Umsetzung des Abkommens entwickeln.

Auch die Regierung in Bangladesch hat reagiert und den Arbeitern das Recht eingeräumt, sich künftig in unabhängigen Gewerkschaften zusammenschließen und Lohnverhandlungen führen. Die Regierung kippte damit eine Regelung, wonach die Arbeiter für die Gründung einer Gewerkschaft die Zustimmung des Fabrikbesitzers brauchen.

Der Einsturz eines Fabrikgebäudes am 24. April 2013 im Industriegebiet Savar nahe der Hauptstadt Dhaka hatte den Druck auf die Textilindustrie in dem südasiatischen Land verstärkt, internationale Arbeitsstandards besser einzuhalten. Bei dem Unglück kamen 1127 Menschen ums Leben, mehr als 2000 wurden verletzt.

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