Ratgeber

Trotz Hochwasser zur Arbeit

Überflutete Straßen, Radwege unter Wasser oder verspätete Züge: Das Hochwasser in Deutschland richtet dramatische Schäden an. Und die Wassermassen erschweren Tausenden Beschäftigten auch den Weg zur Arbeit. Doch von der Pflicht, pünktlich ins Büro oder in den Betrieb zu kommen, entbindet Arbeitnehmer das extreme Wetter nicht.

mario hösel - Fotolia.com

Das Hochwasser erschwert Tausenden Beschäftigten den Weg zur Arbeit. Das Hochwasser erschwert Tausenden Beschäftigten den Weg zur Arbeit.
04.06.2013
  • Von: Katrin Schreiter

Arbeitsleistung ist für Juristen eine sogenannte Bringschuld. "Am Arbeitsplatz pünktlich zu erscheinen, ist eine der Pflichten aus dem Arbeitsvertrag", sagt Ansgar Claes, Leiter der Abteilung Arbeits- und Sozialrecht bei der IG BCE. "Wenn etwas dazwischenkommt, ist das die Sache des Arbeitnehmers – er trägt das sogenannte Wegerisiko."

Der Arbeitnehmer sei verpflichtet, absehbare Verkehrsbehinderungen, wie sie aktuell durch das Hochwasser entstehen können, bei seinen Fahrzeiten einplanen. „Er muss früher aufstehen oder sich andere Anreisemöglichkeiten suchen“, sagt Claes. "Erreicht der Arbeitnehmer die Firma zu spät oder gar nicht, wird für diese Zeit kein Lohn gezahlt."

Der Rechtsexperte rät: "Sind von diesem Problem viele Arbeitnehmer betroffen, sollte man sich an den Betriebsrat wenden. Der kann mit dem Arbeitgeber vereinbaren, dass die Arbeit zum Beispiel in einer Sonderschicht nachgeholt wird", sagt Claes. "Ist kein Betriebsrat vorhanden, kann diese Regelung auch mit dem einzelnen Arbeitnehmer getroffen werden."

"Steht allerdings die Fabrikhalle unter Wasser und kann deshalb nicht gearbeitet werden, trägt allein der Arbeitgeber das Risiko", erklärt der Jurist. "Das heißt: In diesem Fall wird kein Entgelt abgezogen, und es darf niemanden gezwungen werden, Urlaub oder freie Tage zu nehmen." 

Nach oben