Nebentätigkeit

Nach dem Büro noch in der Bar jobben?

Tagsüber als Industriekaufmann im Büro arbeiten und abends in einer Bar kellnern - immer mehr Arbeitnehmer haben einen Zweitjob. Doch die Nebentätigkeit kann zu arbeitsrechtlichen Problemen führen. Wir erklären, wann der Chef sein Veto einlegen kann.

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Tagsüber im Büro und nachts in der Bar arbeiten? Das geht – unter gewissen Bedingungen.
08.04.2013
  • Von: Katrin Schreiter
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Tagsüber arbeitet Kerstin G. als Verwaltungsangestellte im Büro, abends kellnert sie hin und wieder in einer Bar. Thomas B. bedient hauptberuflich eine Produktionsanlage, frühmorgens trägt er Zeitungen aus. Berufsmodelle wie die beschriebenen sind längst keine Seltenheit mehr. Im Gegenteil: Immer mehr Beschäftigte haben einen Zweitjob.

Die Gründe dafür können ganz unterschiedlich sein: Einige Arbeitnehmer haben im Hauptberuf nur eine Halbtagsstelle und nutzen die verbleibende Zeit für einen Minijob. Andere wollen beruflich mehrere Standbeine haben und  gestalten etwa neben der Arbeit in der Produktion noch Internetseiten. Und bei manchen reicht ein Job allein finanziell einfach nicht zum Leben aus.

Was aber tun, wenn der Chef damit nicht einverstanden ist? „In den meisten Fällen erlauben Arbeitgeber einen Zweitjob, wenn der vorher besprochen wurde“, sagt Ansgar Claes, Arbeitsrechtsexperte bei der IG BCE. „Oft findet sich aber auch eine entsprechende Klausel im Arbeitsvertrag, die zunächst eine Nebentätigkeit ausschließt und hierfür eine ausdrückliche Zustimmung des Arbeitgebers verlangt.“

Existiert keine solche Vereinbarung, stehe es jedem generell frei, eine Nebentätigkeit aufzunehmen. Allerdings unter besonderen Voraussetzungen: „Der Hauptjob darf nicht beeinträchtigt und die Höchstarbeitszeit nicht überschritten werden“, sagt Claes.„Außerdem darf der Nebenjob nicht in Konkurrenz zum Hauptarbeitsverhältnis stehen.“

So könnte beispielsweise Thomas B., der nebenbei im Morgengrauen Zeitungen austrägt, später am Tag wegen Übermüdung eine Gefahr in der Werkhalle darstellen. Auch muss zwischen den Arbeitstagen eine Pause von elf Stunden liegen. Bedient Kerstin G. also bis Mitternacht in der Bar, darf sie nicht vor elf Uhr am nächsten Tag an ihrem Arbeitsplatz erscheinen. Wird dies nicht beachtet, kann der Chef begründete Einwände gegen den Nebenjob geltend machen.

Arbeitsrechtsexperten raten deshalb, den Chef zu informieren. „Der Nebenjob könnte seine Interessen berühren. Wenn man aber von vornherein mit offenen Karten spielt, muss man sich später keinen Vorwurf gefallen lassen“, sagt Arbeitsrechtsexperte Claes. Stimmt der Arbeitgeber dem Nebenjob nicht innerhalb von vier Wochen zu, kann seine Erlaubnis automatisch als gegeben betrachtet werden. „Dann ist von einer sogenannten schlüssigen Zustimmung auszugehen“, sagt Arbeitsrechtsexperte Ulf Weigelt. „Man sollte schriftlich nachfragen, damit die Zustimmung später nachweisbar ist.“

Eine besondere Situation ist der Krankheitsfall. „Wer als arbeitsunfähiger Mitarbeiter einer Nebentätigkeit nachgeht, die die Heilung verzögert, verstößt gegen seine sogenannte arbeitsvertragliche Rücksichtspflicht im Hauptjob“, sagt Weigelt. „Das kann – nach erfolgloser Abmahnung – im Wiederholungsfall eine verhaltensbedingte Kündigung rechtfertigen.“


Das sollten Sie unbedingt beachten:
Der Arbeitgeber darf einen Nebenjob verbieten, wenn er seine Interessen verletzt sieht. Das ist der Fall, wenn...

  • ... die Arbeitsfähigkeit unter dem Nebenjob leidet: Die Leistungen im Hauptjob, beispielsweise durch Schlafmangel beeinträchtigt sind.
  • ... durch die Nebentätigkeit der Urlaub wegfällt: Beschäftigte müssen ihren Jahresurlaub zur Erholung nutzen.
  • ... durch den Zweitjob Konkurrenz zum Hauptarbeitgeber entsteht: Dies ist ein deutlicher Interessenskonflikt.
  • ... der Nebentätigkeit trotz Krnakschreibung nachgegangen wird: Die Genesung hat Vorrang.
  • ... das Arbeitszeitgesetz nicht beachtet wird: Der Nebenjob darf zusammen mit dem Hauptjob die gesetzlich vorgeschriebene Höchstarbeitszeit von durchschnittlich 48 Stunden pro Woche nicht überschreiten. 
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