Arbeitszeugnis

Er hat sich stets bemüht

Wahr und wohlwollend sollen Arbeitszeugnisse eigentlich sein. Doch das stimmt wohl nur in den seltensten Fällen. Deshalb: Unbedingt unsere Tipps beachten, damit nach dem Wechsel des Arbeitsplatzes nicht die Zukunftschancen sinken.

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Die Sprache in Arbeitszeugnissen ist blumig und häufig meint sie gar nicht das, was geschrieben ist. Die Sprache in Arbeitszeugnissen ist blumig und häufig meint sie gar nicht das, was geschrieben ist.
13.05.2013

Karl W.s Nerven liegen blank. Vor Kurzem hat er seinen Job verloren – und der 45-Jährige ist gezwungen, schnell eine neue Stelle zu finden. Schließlich muss er eine Familie versorgen. "Wie lange werde ich arbeitslos sein? Kann ich überhaupt noch eine Bewerbung schreiben?" Immer wieder stellt Karl W. sich solche Fragen. Und dann ist da ja noch diese Sache mit dem Arbeitszeugnis.

Auf den Laboranten wirkt das Dokument, das er von seinem Chef erhalten hat, wie ein "Buch mit sieben Siegeln".Ist alles in Ordnung mit meinem Zeugnis? Steht da wirklich alles drin, was wichtig ist? Karl W. ist verunsichert – und mit seinen Sorgen nicht allein.

  • Beim Fußball wird sich immer gern beim Schiedsrichter beschwert.
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    Fußballspieler beschweren sich immer wieder gern beim Schiedsrichter. Müsste dieser Schiri Bastian Schweinsteiger vom FC Bayern nach dieser Mecker-Aktion ein Zeugnis ausstellen würde darin wohl folgendes stehen: "Er war ein anspruchsvoller  und kritischer Mitarbeiter." Übersetzt heißt das: Nörgler, Querulant, Nervensäge.

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"Erwerbsbiographien verlaufen in Deutschland immer öfter wechselhaft", sagt Mathias Busch, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Hannover. "Deshalb werden auch die Arbeitszeugnisse immer wichtiger." Bei der Suche nach einer neuen Stelle dienen sie im besten Fall als Empfehlungsschreiben früherer Arbeitgeber und sind daher unerlässlich.

Grundsätzlich gilt: Wer hierzulande den Job wechselt, hat laut Gewerbeordnung
einen gesetzlichen Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis. Dabei können Beschäftigte zwischen einer einfachen Bescheinigung, die nur über Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses Auskunft gibt, und einem qualifizierten Zeugnis, das darüber hinaus Leistung und Verhalten beurteilt, wählen. "Letzteres ist immer aussagekräftiger", sagt Busch. Die einfache Bescheinigung "kommt lediglich infrage, wenn dem Arbeitgeber eine umfassende Bewertung unmöglich ist – beispielsweise nach einem sehr kurzen Beschäftigungsverhältnis."

Busch betont, dass der jeweilige Chef nach der geltenden Rechtsprechung verpflichtet ist, ein "wahres, vollständiges und wohlwollendes" Zeugnis auszustellen – es "darf das berufliche Fortkommen des Arbeitnehmers nicht unnötig erschweren". Aus diesen

Vorgaben resultiert laut einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts aus dem Jahr 2003, dass die Leistung im Regelfall mit "durchschnittlich gut" zu bewerten ist – das entspreche
auf der fünfstufigen Notenskala, die für Arbeitszeugnisse verwendet wird, etwa einer Drei plus und in der Zeugnissprache der Formulierung "zu unserer vollen Zufriedenheit", sagt Busch.

Bei schlechteren Benotungen muss der Arbeitgeber – im Zweifelsfall vor Gericht – beweisen, dass der Beschäftigte keine "durchschnittlich gute" Leistung erbracht hat. Umgekehrt gilt: Wer auf einer Eins ("stets zu unserer vollsten Zufriedenheit") oder Zwei ("zu unserer vollsten Zufriedenheit"/"stets zu unserer vollen Zufriedenheit") besteht, trägt selbst die Beweislast – dazu können im Streitfall Zwischenzeugnisse dienen, die sich Arbeitnehmer ausstellen lassen sollten, wenn der Vorgesetzte wechselt oder sie selbst eine neue Position im Unternehmen bekommen.

Die Note allein stellt Personalchefs allerdings nicht zufrieden. Zur Leistungsbeurteilung
gehören "unbedingt auch Formulierungen, die Aufschluss über Wissen, Fähigkeiten und Arbeitseinsatz geben", betont Norbert Schuster, IGBCE- Arbeitsrechtsexperte.

Eine wichtige Funktion im Zeugnis hat die Schlussformel, in der Dank, Bedauern und gute Wünsche zum Ausdruck kommen sollten. Fehlt sie, "ist das Zeichen für eine tiefe Verstimmung zwischen Arbeitgeber und -nehmer", sagt Schuster. Am Ende von Karl W.s Zeugnis stehen, wie er mit Erleichterung feststellt, die folgenden und genau richtigen Sätze: "Wir bedauern sein Ausscheiden und danken für die stets gute Zusammenarbeit. Für die Zukunft wünschen wir Herrn W. alles Gute und weiterhin viel Erfolg."

Wer unsicher ist, ob sein Zeugnis allen Erfordernissen entspricht, kann sich an den zuständigen IG-BCE-Bezirk wenden. Von dort aus wird im Zweifelsfall eine juristische Überprüfung organisiert. Voraussetzung dafür ist die Mitgliedschaft in der Gewerkschaft.

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