7. Jahrestagung für Betriebsrätinnen und Betriebsräte

Gute Arbeit schaffen

Mitbestimmung ist ein starkes Fundament der Wirtschafts- und Sozialordnung in Deutschland. Deshalb haben sich rund 200 Betriebsräte und Betriebsrätinnen der IG BCE in der Hauptverwaltung in Hannover getroffen, um die neuen Herausforderungen der Mitbestimmung zu diskutieren.

Christian Burkert

Michael Vassiliadis begrüßt die Betriebsrätinnen und Betriebsräte zur 7. Jahrestagung. Michael Vassiliadis begrüßt die Betriebsrätinnen und Betriebsräte zur 7. Jahrestagung.
14.10.2014
  • Von: Désirée Binder
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Unter dem Motto "Offensive Mitbestimmung - gemeinsam die Kraft für mehr Mitbestimmung entfalten" trafen sich am 14. und 15. Oktober in Hannover die Betriebsräte aus den verschiedenen Branchen der IG BCE um sich gegenseitig auszutauschen. Organisiert wird die Tagung von der IG BCE und ihrer Bildungsgesellschaft BWS.

Begrüßt wurden die Teilnehmer von Günter Schölzel, dem Abteilungsleiter der Abteilung Mitbestimmung der IG BCE. "Ich freue mich, dass auch dieses Jahr die Reihen wieder so gut gefüllt sind. Das zeigt uns, dass diese Tagung ein gutes Format ist." Anschließend ergriff der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis das Wort. "Unsere Betriebsratsarbeit hat ein Ziel: Gute Arbeit für unsere Kollegen zu schaffen."

"Gewerkschaften prägen jeden Tag die Qualität der Arbeit, sie gestalten und gehen verantwortlich mit Arbeit und Arbeitsplätzen um", betonte Vassiliadis. Durch Mitbestimmung können Betriebsräte in den Unternehmen für Gute Arbeit sorgen, doch bei den neuen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt sei es notwendig, die Mitbestimmung weiter auszubauen.

Christian Burkert

"Wir brauchen eine politische Modernisierung der Mitbestimmung", sagt IG-BCE-Vorsitzender Michael Vassiliadis. "Wir brauchen eine politische Modernisierung der Mitbestimmung", sagt IG-BCE-Vorsitzender Michael Vassiliadis.

In den letzten 30 Jahren haben wir gegen die Massenarbeitslosigkeit gekämpft", sagte Vassiliadis. "Die haben wir im Großen und Ganzen überwunden." Doch nun habe man es in Deutschland mit einem anderen Thema zu tun: prekäre Arbeit. "Deshalb brauchen wir moderne Handlungsmöglichkeiten für Betriebsräte. Wir brauchen eine politische Modernisierung der Mitbestimmung."

Die IG BCE hat, um das Thema Mitbestimmung weiter voranzubringen, die Offensive Mitbestimmung gestartet. "Diese Offensive vereint alles, was Mitbestimmungsfragen tangiert", sagt Vassiliadis. Es sei wichtig, dass die Betriebsräte weiterhin viele Mitglieder werben. "Denn je höher der Organisationsgrad, desto besser ist die Bindungsstärke der Tarifverträge und so besser funktioniert die Mitbestimmung", sagte Vassiliadis.

  • Jan Küster, Kodak GmbH
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    Christian Burkert

    "Der Rückhalt der Belegschaft ist für die Arbeit des Betriebsrats besonders wichtig. Denn nur mit vielen organisierten Kolleginnen und Kollegen können wir im Betrieb wichtige Forderungen durchsetzen." - Jan Küster (38), Kodak GmbH

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Zusätzlich betonte der Vorsitzende: "Wir sind immer noch die Betriebsräte-Gewerkschaft im Deutschen Gewerkschaftsbund." Bei den letzten Betriebsratswahlen hatten die Branchen der IG BCE eine Wahlbeteiligung von 72 Prozent. 24 000 neue Betriebsräte wurden in 3 400 Gremien gewählt. Rund 88 Prozent der Vorsitzenden sind IG-BCE-Mitglieder und 30 Prozent sind neu im Amt.

Wie erfolgreich Betriebsratsarbeit sein kann, zeigten Frank Eschenauer, Betriebsrat bei Metsä Board Zanders und Michael Fletterich, Betriebsrat bei Merck. Sie stellten ihre beiden Projekte vor, mit denen sie den Deutschen Betriebsräte Preis 2013 gewannen.

Am Nachmittag konnten sich die Teilnehmer in verschiedenen Arbeitsgruppen unter dem Motto „Innovation durch Mitbestimmung“ austauschen. Anschließend diskutierten die stellvertretende Vorsitzende der IG BCE, Edeltraud Glänzer und der Staatssekretär vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Thorben Albrecht  über die Modernität des Betriebsverfassungsgesetzes.

Christian Burkert

Edeltraud Glänzer, stellvertretende Vorsitzende der IG BCE,. "Wir müssen Gute Arbeit flächendeckend verbreiten", sagt Edeltraud Glänzer, stellvertretende Vorsitzende der IG BCE.

Edeltraud Glänzer sagte dazu: „Um Gute Arbeit in Unternehmen zu bekommen, brauchen wir mehr Mitbestimmung.“ Außerdem sei die Zeit für eine Novellierung des Betriebsverfassungsgesetzes reif. Es sei notwendig, dass die Arbeit der Betriebsräte mehr Anerkennung erfährt und auch mehr gegen die Behinderung von Betriebsratsarbeit getan wird. „Zusätzlich ist es wichtig, die weißen Flecken in Deutschland, also die Betriebe ohne Mitbestimmung, zu organisieren“, sagte Glänzer. „Wir müssen Gute Arbeit flächendeckend verbreiten.“

„Das wichtigste Element in der Sozialpartnerschaft, und wenn man Mitbestimmung voranbringen will, sind die Betriebsräte“, sagte Torben Albrecht. Deshalb seien Betriebsräte bei bestimmten Themen, wie Digitalisierung und bei der Umsetzung von Tarifverträgen, immer wichtiger. Auch bei Werkverträgen und Leiharbeit  sei es notwendig, die Rechte der Betriebsräte zu stärken. In ihren Schlussworten betonten beide, wie wichtig es sei, die Betriebsräte zu unterstützen und dass die Behinderung von Betriebsratsarbeit kein Kavaliersdelikt sein darf.

Der zweite Tag der Betriebsrätejahrestagung begann mit einer Podiumsdiskussion zum Thema "IG BCE im Betrieb - Mitbestimmung schafft Gute Arbeit". Moderator Lars Ruzic von der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung stellte seine Fragen an Ralf Schmucker, Institut DGB-Index Gute Arbeit, Stefan Soltmann, IG-BCE-Abteilung Arbeitspolitik, Bärbel Bruns, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Continental Werk Vahrenwald und Stefan Möller, Betriebsratsvorsitzender bei BP Lingen.

Christian Burkert

Die Podiumsdiskussion am zweiten Tag stand unter dem Motto: "IG BCE im Betrieb - Mitbestimmung schafft Gute Arbeit". Die Podiumsdiskussion am zweiten Tag stand unter dem Motto: "IG BCE im Betrieb - Mitbestimmung schafft Gute Arbeit".

Zu Beginn stand die Frage im Raum, wo es aktiv gelungen ist, ein Aspekt von Gute Arbeit durchzusetzen und wo die Betriebsräte an ihre Grenzen stießen. "Wir hatten unsere Probleme damit, dass wir im Gesamtbetriebsrat tolle Projekte entwickelten, diese aber nicht bei den Betriebsräten der einzelnen Standorte ankamen", sagte Bärbel Bruns. Die Lösung des Problems seien Arbeitsgruppen gewesen. "Dadurch sollte sich jeder Standort einen Schwerpunkt setzen. Das hat funktioniert." "Wir konnten bei uns eine Freizeitphase einrichten, sodass die Schichtmitarbeiter und die Werkfeuerwehren früher in Rente gehen können", sagte Stefan Möller.

Rolf Schmucker stellte den DGB-Index für Gute Arbeit vor und sagte: "Die Probleme der Arbeitnehmer haben sich in den letzten Jahren nicht großartig verändert. Nur die Menge an Arbeit und der Arbeitsdruck haben laut den Beschäftigten zugenommen." Was dagegen unternommen werden kann, erklärte Stefan Soltmann: "Um Gute Arbeit in den Betrieben zu schaffen, wollen wir betriebliche Regelungen, die nachhaltig sind. Die IG BCE will deshalb komplexen Themen beschreiben und einen Austausch organisieren. Wir wollen Leitlinien und Informationen zur Verfügung stellen."

Das Schlusswort der Veranstaltung hielt die stellvertretende IG-BCE-Vorsitzende Edeltraud Glänzer. Sie betonte, wie wichtig die Tarifeinheit in Deutschland sei. "Wir brauchen an dieser Stelle eine gesetzliche Regelung", sagte Glänzer. Das stehe auch im Interesse der Sozialpartner, um die bewährte Tradition der Konfliktlösung und der gemeinsamen Gestaltung der Arbeitswelt zu schützen. "Das ist eine Vorstellung von verantwortlicher Mitwirkung und Mitbestimmung, die im deutlichen Gegensatz zu neuen Modellen von Rücksichtslosigkeit und Gruppenegoismus steht", sagte Glänzer. Deshalb sei die Tarifeinheit für die Fläche, mindestens aber im Betrieb, so wichtig.

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